Krankheiten beim Dobermann

DCM Dilatative Cardio Myopathie oder Dobermann Cardio Myopathie

 

Kaum eine Rasse ist derzeit so stark von der DCM betroffen wie der Dobermann. Unter der Abkürzung verbirgt sich der Begriff „Dilatative Cardio - Myopathie“. Darunter versteht man einen erblich bedingten Gendefekt, der eine Erkrankung des Herzmuskels und in fast allen Fällen einen frühen Tod des Hundes mit sich bringt.

 

Lag der Zeitpunkt des Todes eines Dobermannes noch vor einigen Jahren bei ca. 7 Jahren, fällt heute auf, dass immer öfter und in erschreckendem Ausmass schon Dobermänner im Alter von 3 bis 4 Jahren davon betroffen sind und versterben. Noch erschreckender ist das zunehmende Auftreten der Welpen-DCM, einer besonders aggressiven Art der Krankheit, die schon ganz junge Hunde noch vor ihrem ersten Geburtstag wegrafft.

 

Inzwischen geht man laut der LMU in München (Tierkardiologe Dr. Gerhard Wess) davon aus, dass ca. 57 % der Rasse von der DCM betroffen sind.

 

Heilung gibt es derzeit nicht. DCM bedeutet immer das Todesurteil auf Zeit für einen Hund.

 

Nicht nur Hunde aus den so genannten „Schaulinien“ sind betroffen, obwohl es diesen gerne hauptsächlich „in die Schuhe“ geschoben wird. Sondern auch Hunde aus den ausgesprochenen „Arbeitslinien“. Die DCM zieht sich quer durch die gesamte Dobermannpopulation, wobei es dennoch auffällt, dass manche Linien (egal ob Schau oder Leistung) stärker darunter leiden als andere.

 

Meist findet man dort immer dieselben auffälligen Ahnen, oft sogar noch als so genannte Inzucht in doppelter oder dreifacher Anwesenheit in der Ahnentafel.

 

Um es vorab noch mal ganz klar zu definieren: Eine Herzuntersuchung mit negativem Befund ist nur eine MOMENTAUFNAHME des derzeitigen Gesundheitszustandes, nicht aber eine Garantie dafür, dass das untersuchte Tier auch in einem Jahr oder zwei Jahren noch gesund ist. Dennoch haben Gesundheitsuntersuchungen, speziell in diesem Fall die Untersuchung auf DCM ihre absolute Berechtigung.

 

Nachdem sich der DV nach 2 Jahren einer Versuchsphase mit Einführung einer DCM - Untersuchung als Zuchtzulassung wieder davon verabschiedet hat, ist diese für Züchter eine freiwillige Sache. Aber sie sollte für jeden gewissenhaften Züchter und auch für jeden verantwortungsbewussten Deckrüdenbesitzer spätestens ab dem 3. Lebensjahr eines Hundes eine jährliche Pflicht- und im wahrsten Sinn des Wortes eine Herzenssache sein.

 

Eine komplette und aussagekräftige Herzuntersuchung besteht IMMER aus

 

-          einem Ultraschall des Herzens mit dem Farbdoppler UND

-          einem 24-Stunden-Holter-EKG

-          einer Bestimmung des Troponinwertes (Indikator für eventuelle Probleme am Herz)

-          Bestimmung der Nierenwerte (auch sie Indikatoren bei eventuellen Herzproblemen)

 

Sollte ein Dobermann auch im Alter von 9 Jahren keine Auffälligkeiten aufweisen, hat der Hund in der Regel eine gute Chance, ein für eine mittelgroße Rasse "normales" Alter von ca. 10 - 12 Jahren zu erreichen.

 

Es gibt zwei Phasen der DCM: die erste ist diejenige, die gehäuft ventrikuläre Extrasystolen aufweist. In dieser Phase sterben viele Hunde den sogenannten „plötzlichen Herztod“, das heißt, sie fallen ohne ein vorheriges Anzeichen einfach tot um. Sollte er diese Phase überleben, beginnt die zweite, viel schlimmere Phase. Mit fortschreitender Krankheit sammelt sich Wasser in der Lunge des Tieres, was Atemnot, Angst und Panik beim betroffenen Tier auslöst. Die Gefahr, dass er bei vollem Bewusstsein langsam „ertrinkt“, ist groß. Und schrecklich. Medikamente können hier eine Zeit lang lindern, aber auf Dauer nicht helfen. Hier muss der Hundehalter die schwere Verantwortung tragen, sein Tier rechtzeitig zu erlösen, bevor es sich zu Tode quält.

 

In direktem Zusammenhang mit DCM ist in den letzten Jahren auch die Schilddrüsenunterfunktion (SDU) ins Gespräch gekommen. Hierzu mehr im Anschluss an diesen Text.

 

Wurde die Tatsache, dass die Rasse Dobermann ein Problem mit dem Herzen hat, noch bis vor nicht allzu langer Zeit eher vertuscht und ignoriert, ist die Aufklärung zum Glück inzwischen so weit fortgeschritten, dass sogar Nicht-Insider der Rasse sehr wohl wissen, dass das Herz der gesundheitliche Schwachpunkt des Dobermanns ist, und man mit diesem Risiko immer leben muss, wenn man sich für einen Hund der Rasse entscheidet. Eine Garantie für einen herzgesunden Hund gibt es derzeit nicht, allerhöchstens ein mehr oder weniger hohes Risiko, je nachdem, welche Ahnen der Welpe hat, den man sich ausgesucht hat. Und wie vorsichtig und auch ehrlich der Züchter mit der Zucht-Zusammenstellung umgegangen ist.  

 

Und noch ein kleiner Rat an jeden, der nach einem Dobermann sucht: Macht euch ein EIGENES Bild vom Züchter eurer Wahl! Ein guter Züchter wird euch in einem guten Gespräch z.B. im Rahmen eines Besuchs immer seine Informationen offen legen und dem zukünftigen Welpenkäufer auch Einblick in alle Dokumente seiner Zuchthunde gewähren.

 

© Carola Kusch –(C) April 2015

überarbeitet (C) August 2017

Zuchthunde sollten einmal jährlich einem kompletten Herzcheck unterworfen werden. Aus Verantwortung gegenüber den Zuchttieren selbst, und auch gegenüber den Nachkommen. - Hier meine beiden Hunde mit dem angelegten 24-Stunden-Holter-EKG Gerät.

Update August 2019:

Seit einigen Jahren wurden von der amerikanischen Genetikerin Dr. Meurs zwei Gen-Orte entdeckt, auf welchen sich ein oder zwei DCM-Gene befinden können. Einer ist auf dem PDK4-Gen (DCM1), der andere auf dem TTN-Gen (DCM2). Je nachdem, ob der Hund das entsprechende Gen nur von Vater ODER Mutter geerbt hat, oder von beiden, kann sowohl DCM1 wie auch DCM2 jeweils heterozygot (nur 1 Kopie) oder homozygot (2 Kopien) vorhanden sein. 

 

LEIDER HAT DIESE ENTDECKUNG UND DER TEST DARAUF EINE GROßE VERUNSICHERUNG UND FAST SCHON EINE HYSTERIE UNTER DEN EUROPÄISCHEN ZÜCHTERN AUSGELÖST, mit teilweise fatalen Rückschlüssen und fatalen Entscheidungen für die weitere Zucht. Man stürzt sich jetzt nur noch auf Hunde, die "frei" von beiden Gen-Mutationen sind, weil sie augenscheinlich die "gesünderen" bezüglich des Risikos einer DCM-Erkrankung sind.

 

Zur Erklärung, warum es aber gefährlich ist, sich ausschließlich auf diese Hunde zu konzentrieren, muss man wissen, dass PDK4 und TTN nur ZWEI von schätzungsweise vielen Dutzenden von Gen-Orten sind, auf welchen sich ein DCM-Gen aufhalten kann (beim Menschen sind es ca. 50 bisher entdeckte Gen-Orte). Diese beiden bekannten Orte sind also nur ein BRUCHTEIL von der Anzahl der Gene, die für DCM verantwortlich sind! Und sie bedeuten NICHT, dass der betroffene Hund tatsächlich DCM entwickeln wird!

 

Im Gegenteil: Es gibt genügend Beispiele, in welchen ein Hund mit einer DCM1-Kopie oder einer DCM2-Kopie gesund alt wird, und leider genügend Beispiele, in welchen "freie" Hunde mit 7 oder 8 Jahren an DCM versterben.

Warum ist das so?

 

Hier eine stark vereinfachte Darstellung des Hintergrunds. Die Anzahl der Gene ist willkürlich gewählt, das Schema ist nur eine Hypothese und soll veranschaulichen, wo der "Denkfehler" liegt, wenn man Träger von Mutationen aus der Zucht ausschließt:

(Die Darstellung wurde von einer Genetikerin von Embark für korrekt erklärt und frei gegeben)

 

Anhand des Schemas kann man folgendes sehr gut erkennen:

- der Hund mit der DCM1 oder 2 Mutation kann sogar der gesündere und "ungefährlichere" Hund für die Zucht sein.

- Sollte ein Hund mit der Mutation DCM1 oder 2 tatsächlich an DCM erkranken, sind weitaus mehr Ursachen (Gene) dafür verantwortlich, nicht aber (allein) diejenigen, die als zwei von vielen inzwischen bekannt sind.

 

Folgen der einseitigen Konzentration nur auf "freie" Hunde:

- unter Umständen kauft man die "Katze im Sack" und züchtet mit Hunden, die im unerforschten Erbgut weitaus mehr DCM-Gen-Mutationen tragen, als der Hund mit der PDK4-Mutation. Dies würde eine weitere Abwärtsschraube bezüglich Gesundheit der Rasse bedeuten. Viele herzgesunde Hunde dagegen, die eine Mutation tragen, dafür aber kaum DCM-Gene im noch unerforschten Erbgut, und die 11 oder 12 Jahre alt werden, würden ihr Leben beenden, OHNE ihre stabile Gesundheit vererbt zu haben.

- die Konzentration auf nur noch eine Handvoll Deckrüden, die "frei" sind, bedeutet auch genetisch eine Desaster: der sowieso schon extrem kleine genetische Gen-Pool würde sich damit noch viel mehr verengen, zu Lasten einer gesunden Ahnenvielfalt. Vor allem würde dies einen unwiederbringlichen Verlust der Diversität bedeuten, da erneut viele Blutlinien zusätzlich passiv ausgerottet werden würden.

- Man muss die Angaben über die Trägerschaft einer Mutation nicht als Makel, sondern als wichtige INFORMATION sehen: natürlich sollten zwei Hunde, die dieselbe Mutation tragen, NICHT unbedingt miteinander verpaart werden. Es gibt genügend unerforschte weitere DCM-Mutationen, bei welchen wir eine Verdoppelung nicht vermeiden können, weil wir sie nicht kennen.

 

Das bessere Konzept wäre daher nach wie vor,

- auf das Alter und die Gesundheit der Ahnen zu achten

- regelmäßige Herzuntersuchungen mit dem 24-Stunden Holter (i.d.R. 1x jährlich) 

- besonders bei Deckrüden auf die älteren Hunde zurückzugreifen, die auch mit 7, 8 oder 9 Jahren noch ein unauffälliges Herz-Holter aufweisen, egal ob sie eine der bekannten Mutationen tragen oder nicht. Denn in ihrem noch unerforschten Erbgut tragen diese Hunde dann mit Sicherheit kaum DCM-Gene!

- soviel Diversität zu erreichen, wie möglich, soweit dies die aktuellen Zuchtbestimmungen derzeit hergeben

 


Sinn und Unsinn der Schilddrüsen - Unterfunktion beim Dobermann

 

Anfang diesen Jahres (2016) hatte ich eigentlich eher zufällig ein Gespräch mit einer Tierärztin, die gleichzeitig auch Dobermänner besitzt und die Rasse züchtet, zum Thema SDU. In Laufe dieses Gesprächs bestätigte sich genau das, was ich schon länger beobachte und vermutet habe, und mit der einen oder anderen neuen Info (aus tierärztlicher Sicht) hat sich ein absolut stimmiges Bild ergeben.

Kleiner Rückblick:

Ich erinnere mich noch, wie die Welle „Schilddrüsen - Unterfunktion beim Dobermann“ ca. im Jahr 2008/2009 über die Dobermannbesitzer hereinschwappte. So viele Schilddrüsen - unterfunktionsgestörte Dobis, wie damals schlagartig auftauchten, hätte niemand vermutet. Es wurde sogar die (Fehl-)Information verbreitet, dass die SDU in direktem Zusammenhang mit der erblichen DCM stünde, und wenn Dobermannbesitzer den niedrigen SD - Wert ihres Hundes

therapeutisch in den Griff bekämen, könnte man gleichzeitig auch einen Großteil der DCM - Fälle in den Griff bekommen.

Diese Info wurde dann aber ganz schnell von der T ierärztlichen Uniklinik in München gerade gerückt:

Ein Zusammenhang zwischen einer SDU und DCM besteht nicht, allerhöchstens insofern, als dass sich bei einem DCM

- erkrankten Hund, der parallel dazu auch noch eine gesicherte pathologische SDU hat, auch die DCM-Symptome verschlechtern können.

Aber ein herzgesunder Hund wird durch eine SDU KEINE genetisch bedingte DCM bekommen!

Und ein DCM-erkrankter Hund kann durch die Behandlung einer vorhandenen SDU NICHT von der DCM geheilt werden!

 

Ist-Zustand:

Trotzdem bleibt die Tatsache, dass viele Dobermänner einen niedrigeren T4 Wert haben (meistens so um 1,0 Mikrogramm herum) als der empfohlene Referenzwert (1,2 – 4,5 Mikrogramm), aber gleichzeitig damit sehr

gut leben. Sie bilden KEINE pathologischen Symptome aus, weder charakterlich noch körperlich. Sie sind freundliche und sichere Hunde, leistungsfähig und fit, haben ein einwandfreies Fell und gesunde Haut, Haare auf den Ohren, keine Ohrrandekzeme, und – was vielleicht das wichtigste ist – haben unauffällige Ergebnisse im 24-Std-Holter UND werden mit diesem SD-Wert uralt.

 

Woher kommt das?

Wie gesagt, inzwischen habe ich mich mit einer – rasseerfahrenen – Tierärztin darüber unterhalten. Ihrer Meinung nach, die ich absolut schlüssig finde, kann der niedrigere Wert an folgenden Umständen liegen:

 

-Tatsache ist, dass aktive Hunde, die im Sport trainiert werden und viel Bewegung haben, grundsätzlich einen niedrigeren SD-Wert haben als reine „Couch-Potatoes“. Da die meisten Dobis im Gebrauchshundesport gearbeitet werden, ist hierin definitiv schon mal ein Grund für einen Wert unter dem gängigen Mittel zu erkennen. (diese Tatsache wurde mir von einer Halbmarathon-Läuferin bestätigt, das kommt tatsächlich auch bei zweibeinigen Sportlern vor)

- Der zweite hypothetische, aber sehr plausible Grund, den mir die TÄ nannte, ist hochinteressant: Anscheinend haben verschiedene Windhunderassen grundsätzlich einen niedrigeren SD-Wert. Quasi rassebedingt und rassetypisch wie die Leidenschaft fürs Rennen. Trotzdem leiden diese Hunde NICHT unter einer SDU, zeigen keine Symptome, sind fit und gesund und erreichen durchaus ein hohes Alter. Was als „normaler“ SD-Wert bei einem dieser Windhunde gilt, würde bei einem normalen Haushund bereits eine behandlungsbedürftige SDU mit allen klinischen Symptomen bedeuten. – Vielleicht ahnt es der eine oder andere schon: Windhunde werden ja auch mit zu den Entstehungsrassen

gezählt, aus welchen der Dobermann als Rasse entstanden ist. Und ihre Gene sind natürlich auch bis heute erhalten geblieben. Beim einen mehr, beim anderen weniger. Aber möglicherweise ganz augenscheinlich bei den Dobermann

-Exemplaren mit dem erniedrigten SD-Wert, die aber trotzdem gesund sind und keine Probleme haben.

 

SDU – Sinn oder Unsinn?

Nein, die SDU ist kein Unsinn, es gibt sie, sowohl beim Dobermann wie auch bei anderen Rassen. Aber wie bei allem im Leben, so ist es auch mit dem übertriebenen Hype um die SDU: allzu viel ist ungesund. Leider kann man aus ALLEM ein SDU-Problem konstruieren, wenn man nur will: Bello, der seinen Nachbarn Lumpi nicht leiden kann. Und schon ist Bello verhaltensauffällig in mancher Leute Augen, ein erstes deutliches Anzeichen für eine SDU wird unterstellt. Dass Nachbarschaftsrivalitäten unter gesunden Rüden seit Urzeiten etwas völlig normales ist, interessiert niemanden. Oder die braunen Dobermänner, die speziell an den Ohren eine eher rosarote Haut haben (im Gegensatz zur blaugrauen des schwarzen Dobermanns), die einfach stärker „durchschimmert“ als die dunkle Haut. Auch sie werden unglücklicherweise viel zu schnell als „SDU-Kandidat“ eingestuft. Dass der restliche Hund evtl. ein schönes dichtes und gesundes Fell hat, interessiert auch da wieder niemanden. Hat einer der beiden erwähnten Beispiel-Hunde dann noch SD-Werte, die um die untere Wertegrenze der Schilddrüse herumspringen, ist der Fall klar: er MUSS eine SDU haben und wird auch gleich medikamentös behandelt.

 

Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Hunde in den vergangenen Jahren mit Forthyron voll gepumpt worden sind, nur weil ihre Schilddrüsenwerte nicht den allgemeinen Erwartungen entsprochen haben. Hunde, die eigentlich in jeder Hinsicht nicht auffällig waren, weder äußerliche noch wesensmäßige Anzeichen eines SDU-Problems gezeigt haben.

 

Und das finde ich mindestens genauso tragisch wie das Auftreten der Erkrankung selbst. Warum kann man einen gesunden Hund nicht einen gesunden Hund sein lassen? Nur weil er den Werten, die man gerne hätte, nicht entspricht? Ich erinnere mich noch, wie man uns Hundebesitzer vor gut eineinhalb Jahrzehnten noch dringend vor

artgerechter Rohfütterung gewarnt hat: Der Harnstoffwert bei den gebarften Hunden sei viel zu hoch! Der „Referenzwert“ werde viel zu weit überschritten. Das sei ungesund! Inzwischen weiß man, dass der „Referenzwert“ auf den Untersuchungsergebnissen von Hunden basiert, die Industriefutter erhalten haben. Hunde, die echte Nahrung erhalten, haben in der Regel – wie ihre wildlebenden Verwandten auch – als Grundwert schon als normale Gegebenheit einen höheren Harnstoffwert. Und sie sind gesund. Gesünder sogar als ihre Fast-Food Kollegen mit den tollen Mittelwerten.

 

Nur echte SDU muss behandelt werden!

Kommen wir nochmal zurück zu meinem Gespräch mit der T ierärztin. Sie betonte nochmals, dass Grund zur Sorge nur dann vorliegt, wenn der Hund auch ECHTE äußerliche und wesensmäßige Symptome zeigt. Fallen solche Symptome dann noch zusammen mit niedrigen Schilddrüsenwerten, dann sollte man die Schilddrüsenwerte testen lassen, und zwar von einem Tierarzt, der davon auch was versteht. Da sich das Hormon der SD aus verschiedenen Werten zusammensetzt, die – je nachdem, welcher Wert höher oder niedriger ist – immer auf eine andere Symptomatik hindeuten können, kann hier durch Unwissenheit schon viel falsch interpretiert werden.

 

Die auffälligsten Symptome einer echten SDU sind:

- Nackte Ohren (NICHT der Knick, durch den die Haut schimmert! Sondern das Ohr besteht weitgehend nur aus Haut, sieht aus wie fellfreies Leder)

- nicht zuheilende Ohrrandekzeme (NICHT der Schmiss, den er sich beim Balgen oder beim Hängen bleiben am Zaun geholt hat!)

- große, kahle Stellen im Fell

- auffallende Schlappheit, mit gleichzeitiger Gewichtszunahme, obwohl er nicht mehr zu fressen kriegt als andere Hunde vergleichbarer Größe (NICHT der überfütterte Hund!)

- Ängstlichkeit ohne wirklichen Grund, vor Menschen und Umwelteinflüssen

- Aggressionen ohne Ursache (NICHT die gepflegte Feindschaft mit gleichgeschlechtlichen Hunden!)

 

ABER ACHTUNG!

Speziell bei vermeintlichen Verhaltensproblemen sollte man sehr vorsichtig sein! Es ist allzu einfach, dass menschliches Unvermögen in der Erziehung des Hundes einer SDU zugeschrieben wird. Und beim Dobermann besteht vermehrt die Gefahr, dass er als „verhaltensauffällig“ eingeordnet wird, da die Rasse selbst sehr lebhaft und temperamentvoll ist.

Was nun ängstliches Verhalten angeht, gilt hier: wenn sich nach ca. 4 Wochen regelmäßiger Gabe von Forthyron nicht wirklich eine positive Änderung zeigt, dann IST ES KEINE SDU! Dann ist es entweder das angeborene ängstliche Wesen des Hundes, ein negativer Erfahrungswert, oder ein Erziehungsfehler. Und dann sollte man schleunigst wieder mit der Gabe der Hormone aufhören, da die Schilddrüse sonst tatsächlich aufhört, selbst Hormone zu produzieren.

-----------------

Nachtrag:

Heute (März 2016) war ich bei meinem eigenen TA zur Tollwutimpfung. Ich habe das Thema SDU angeschnitten und von meiner Begegnung mit der TÄ erzählt. Und prompt wurde mir alles bestätigt, was diese mir erzählt hat! Es stimmt tatsächlich, Windhunde haben als Rasseeigenschaft immer einen erniedrigten SD - Wert, wie wohl auch die Collies, sind aber deshalb noch lange keine unterfunktionsgestörten Patienten. Das Schlimme ist – so räumte mein TA ein

– dass auch viele Tierärzte diese Tatsache ignorieren oder sich hier nicht besonders gut auskennen. Und all zu schnell

eine SDU bei einem gesunden Hund diagnostizieren. Oder all zu schnell dem Besitzer zustimmen, wenn dieser schon von sich aus diese „Diagnose“ anbietet.

 

Also bitte, glaubt nicht alle Schauermärchen, die inzwischen die Dobermann - Besitzer dermaßen verunsichern, dass sie im schlimmsten Fall aus ihrem ursprünglich gesunden Hund einen kranken machen. Hinterfragt auch mal, erkundigt euch selbst und bildet euch eure EIGENE Meinung. Und vor allem kuckt euch euren Hund an: Ist er gesund, glänzt sein Fell, ist er lebhaft und fröhlich, dann glaubt IHM!

 

© Carola Kusch (März 2016)

Hier liegt eine eindeutige Schilddrüsen-Unterfunktion vor. Obwohl die Aufnahme schlecht ist, sieht man die kahlen Stellen im Fell und an den Ohrrändern.

 


vWD - von Willebrand Disease Typ 1 (sog. Bluterkrankheit)

 

Bei der vWD handelt es sich um eine Blutgerinnungsstörung, die genetisch bedingt ist (also vererbt wird). Es können also nur Tiere davon betroffen sein, von denen mindestens ein Elternteil ebenfalls ein defektes Gen aufweist. Zwei reinerbig freie Tiere können keine erkrankten Nachfahren hervorbringen. vWD ist eine der am häufigsten vorkommenden Blutgerinnungsstörungen bei Menschen und Tieren.

 

Man unterscheidet drei Typen:

Typ 1 (mildeste Form der vWD, erkrankte Tiere zeigen keinerlei negative Symptomatik, sogenannte "stille Bluter")

Typ 2 (erkrankte Tiere zeigen verlängerte Blutungsneigung, schlecht zuheilende Wunden und bei der Hündin verlängerte Läufigkeiten)

Typ 3 (erkrankte Tiere zeigen starke Blutungsneigung, können an jeder äusserlichen und innerlichen Verletzung ohne tierärztliche Hilfe jederzeit verbluten)

 

Die Rasse Dobermann ist glücklicherweise in der Regel ausschliesslich vom Typ1 betroffen.

 

Diese drei vWD Stati gibt es:

 

1. reinerbig frei: der Hund hat ein gesundes Gen (2 gesunde Allele)

2. heterozygot (mischerbig betroffen, Träger): der Hund hat ein defektes Gen (ein Allel ist gesund, ein Allel ist defekt)

3. homozygot (erkrankt): der Hund hat ein defektes Gen (beide Allele sind defekt)

 

Seit 2016 werden im Dobermannverein noch Hunde zur Zucht zugelassen, die entweder den Status vWD-frei oder vWD-Träger über einen Test in einem Labor nachgewiesen bekommen haben. Weiterhin dürfen nur noch Hunde miteinander verpaart weden, bei welchen mindestens einer der Partner vWD-frei ist.

 

vWD ist innerhalb der Rasse ein relativ geringes Problem, obwohl laut Laboklin ca. 70% der Population von vWD betroffen bzw. Träger ist. Es gibt kaum einen Hund, der damit jemals gesundheitliche Probleme gehabt hätte. vWD gehört bei unserer Rasse NICHT zu den Krankheiten, die für die Tiere eine Einschränkung bedeuten oder gar zum Tod führen.

 

Nachfolgend finden Sie eine Uebersicht über die möglichen Paarungskombinationen. Daraus erschliesst sich von selbst, warum der DV die genannte Regelung eingeführt hat.

Paarungskombinationen

Hündin frei

Hündin Träger

Hündin erkrankt



Rüde frei

100% frei

50% frei

50% Träger

100% Träger



Rüde Träger

50% frei

50% Träger

25% frei

50% Träger

25% erkrankt

50% Träger

50% erkrankt



Rüde erkrankt

100% Träger

50%Träger

50% erkrankt

100% erkrankt




Krebs beim Hund

 

Krebs beim Dobermann – ausschliesslich genetisch bedingt?!

 

Die in den letzten Jahren beobachtete Tendenz bei Hunden im Allgemeinen und Dobermännern im Besonderen, dass sich Todesfälle bereits in jungen Jahren immer öfter aufgrund von Krebs häufen, hat unter Hundehaltern und Züchtern zu besorgten Diskussionen geführt:

 

Ist dieses Leiden eine weitere genetisch bedingte Krankheit, eine von vielen, die durch die nicht zu leugnende Inzucht-Depression bei Rassehunden Fuss fassen konnte?

 

Viele Hunde bekommen im Alter Krebs; allgemein bekannt unter der Bezeichnung Alters-Krebs. Im hohen Alter lässt die Immunabwehr nach, der Stoffwechsel wird langsamer, und die normale Abwehr des Körpers gegenüber Krebszellen (bis zu 4000 am Tag eliminiert ein gesunder Körper selbst) reicht nicht mehr aus. Das ist leider eine Nebenwirkung des Alters, mit der wir alle leben müssen und akzeptieren müssen.

 

Nur schwer akzeptieren kann man aber die vielen Fälle, in denen schon junge Hunde von dieser Krankheit dahingerafft werden.

 

Ganz sicher ist ein Teil der auftretenden Krebsfälle auch auf eine vererbte Veranlagung zurückzuführen. Aber Studien – auch und vor allem aus der Humanmedizin – kommen zu einem erschreckenden anderen Ergebnis:

 

Nur 5 von 100 Fällen sind definitiv auf genetische Ursachen zurück zu führen!

 

Alle anderen Fälle sind „hausgemacht“, was heisst, die Menschen/Hundehalter haben den grössten Teil der Fälle selbst verursacht.

 

Als Auslöser werden genannt:

 

-          Impfungen (viel zu viel und unnötig)

 

-          chemische Entwurmungen (zerstören die Darmflora und schwächen das Immunsystem)

 

-          Antibiotika-Gaben (fünf Behandlungen mit Antibiotika oder zwei Langzeitgaben im Leben eines Hundes reichen schon aus!)

 

-          Chemische Ungezieferabwehr (Spot-ons, Tabletten oder in Ungeziefer-Halsbändern)

 

-          Ernährung (chemische Inhaltsstoffe in FeFu, nicht-artgerechte Zusammensetzung)

 

-          Umwelt-Einflüsse (Smog, Haushaltsreiniger, Hundeshampoo, gespritzte Felder, Gärten etc.)

 

-          Stress (psychische und/oder körperliche Dauerbelastung ohne genügend ruhige Phasen)

 

-          u.v.m.

 

Wenn man jetzt mal schaut, was alles auf unsere Hunde zutrifft, ist es kein Wunder mehr, dass diese Tiere vermehrt schon in jungen Jahren an Krebs leiden und daran sterben.

 

Ins Auge springt einem bei den Studien aus der Humanmedizin, dass die hauptsächlichen Todesursachen durch Krebs bei Männern und Frauen in exakter Relation zu denen von Rüden und Hündinnen stehen: Prostatakrebs und Brustkrebs (Gesäugekrebs).

 

Da Mensch und Hund in der engsten zwischenartlichen Symbiose leben, die es in diesem Bereich gibt, haben die Studien aus der Humanmedizin definitiv eine hohe Aussagekraft auch zu den Krebsfällen bei Hunden.

 

Quellen:

https://www.oncology-guide.com/erkrankung/

http://tierheilpraxisberlin.de/krebs-bei-hunden-warum-es-immer-mehr-wird

Foto: Quelle unbekannt; falls sich der Verfasser findet, der dies auch belegen kann, bitte bei mir melden, dann werde ich ihn sofort eintragen.

(C) Carola Kusch April 2018